Torsten Hebel Freischwimmer Rezension Im Gefängnis der eigenen Biographie

IIMPRESSUM: Private Homepage von Pfarrer Kai-Uwe Schroeter, Mozartstr.2-B, 59368 Werne. www.pastorschroeter.de

 

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Eine kritische

Buchrezension

zum Thema: Zweifel oder Glaube?

Foto: Schroeter

Ein Beitrag von

Kai-Uwe Schroeter

Pfarrer im Altkreis Warburg

evangelischekircheninfo@gmail.com

Torsten Hebel und

Daniel Schneider

 

Freischwimmer: Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem großen, weiten Mehr

 

SCM Hänssler Verlag

 

 

Ich weiß,

 

woran ich glaube,

 

ich weiß,

 

was fest besteht,

 

wenn alles hier im Staube

 

wie Sand und Staub verweht.

 

Ernst Moritz Arndt

 

 

 

"Torsten Hebel verliert Glauben - und sucht Gott"

 

- so beschrieb das christliche Medienmagazin "Pro" die dramatische Abkehr des ehemaligen Predigers des Christentums von seinem früheren Glauben. Doch was hat Hebel verloren?

Seinen Glauben? Oder nur eine falsche Vorstellung von Gott?

Verunsichert Hebel - oder reißt er gar andere mit in den Abgrund des Zweifelns?

1. Im Gefängnis der eigenen Biographie

 

Das Buch "Freischwimmer" beginnt mit einer ausführlichen Lebensgeschichte des Autors Torsten Hebel, die spannend zu lesen ist. Auf den ersten Blick erscheint das ganz logisch. Die Leser wollen auch etwas wissen aus dem Leben des Zweiflers. Zweifel entstehen nicht im luftleeren Raum, sie sind immer in der Lebensgeschichte verankert.

 

Und doch birgt diese Vorgehensweise auch gewisse Risiken. Der Leser fragt sich: Geht es nicht auch um "Theo-logie", also ein geordnetes Nachdenken über Gott? Spielt die sachliche Erörterung von Themen gar keine Rolle? Obwohl Hebel auf einer Bibelschule einen theologischen Abschluss gemacht hat, ist er kein Theologe im herkömmlichen Sinn. Seine Theologie ist seine Biographie.

 

Der Bezugspunkt der Theologie ist die Biographie

 

In seinem Lebenslauf verankert Hebel seinen Glauben an Gott. Ich fasse den biographischen Teil an dieser Stelle in wenigen Worten zusammen, mit dem Schwerpunkt auf den entscheidenden Ereignissen. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass ich nicht bloß referiere, sondern das Buch von Hebel kommentiere und mit theologischen Antworten auf seine Fragen versehe.

 

Torsten Hebel wuchs bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf. Die Trennung von seinem leiblichen Vater war für die fromme Mutter stets ein Tabu-Thema, der Stiefvater blieb seinem Sohn die nötige Liebe schuldig. Nie fand er lobende Worte für ihn. Schuld suchte das Kind sehr früh bei sich selbst.

 

Die geistliche Heimat der damals untypischen Patchworkfamilie war die Freie Evangelische Gemeinde Gummersbach. Hebel ist der Meinung, dass sein Glaubenshintergrund zusammen mit seiner Persönlichkeitsstruktur eine schlechte Kombination darstellte. „Denn Theologie ist zu einem großen Teil Biographie“ bekennt er. Das hieß für ihn damals:

 

„Ich bin nie gut genug für Gott und ich werde nie gut genug sein“

 

Diese Überzeugung führt bei einem jungen Menschen niemals zu einem Selbstwertgefühl. Und doch entspricht es der theologischen Überzeugung etwa des Apostels Paulus oder des Reformators Martin Luther. Nur waren diese Personen gestandene Männer und nicht pubertierende Jugendliche, als sie diese Einsicht überfiel. Man ist fast an den verzweifelten Martin Luther erinnert, der im Klosterleben seinen Frieden finden wollte - und doch nicht fand, weil er wusste, dass er Gott niemals genügen konnte.

 

Bei Hebel ging mit dem fehlenden Selbstwertgefühl die unterschwellige Angst vor Versagen einher, auch bedingt durch die Schule. Als junger Erwachsener litt er unter dem Druck des Elternhauses und der Gemeinde-leitung. Der Leser fragt sich an dieser Stelle was Hebel erklären möchte. Seinen Werdegang? Seine Zweifel? Die Darstellung lässt erkennen: Kind-heit und Jugend sind von Hebel psychologisch gut aufgearbeitet. Doch hilft die Psychologie nicht auch, von der eigenen Biographie abzusehen und den Blick auf die objektiven Dinge des Glaubens richten zu können?

 

 

Was hat Gott mit meinem Leben vor?

 

Dies sind nicht die Worte Hebels, aber so hätte er fragen können - wie viele junge Menschen, die aus dem christlich-konservativen Milieu stammen. Eine gute Frage, aber auch eine gefährliche Frage. Man könnte auch fragen: Was habe "ich" in meinem Leben vor? Aber für diese Frage braucht man Selbstbewusstsein. Für die andere Frage nicht, denn mit ihr wird alles auf Gott geschoben. Hinter der frommen Frage steht auch die Vorstellung von einem geheimen Masterplan Gottes, den es im Leben zu entdecken gilt. Schade ist nur, dass in der Regel die wertvollen Berufe (wie etwa Tischler) nicht zu den auserwählten Berufen gehören, sondern die Verkündiger, Prediger, Missionare und Pastoren die ersten Plätze auf der Rangskala belegen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Hebels Ausbildung zum Tischler immer unter dem Horizont des geheimen Wunsches stand, Pastor zu werden.

 

Hebel berichtet über seine Bundeswehrzeit und die Schauspiel-Workshops, die ihn schließlich zum Schauspielstudium nach Los Angeles führten. Hier fühlt er sich plötzlich anerkannt, was dann zu einem neu gewonnenen Selbstwertgefühl führt. Er beschreibt das Gefühl mit „Körperkontrolle, Bühnendynamik & Co - das war meine Welt“. Trotz seines Erfolges in der Schauspielerei blieb nach seiner Rückkehr nach Deutschland sein Wunsch Pastor zu werden. Er besuchte die Bibelschule Neues-Leben-Seminar.

 

An dieser Stelle möchte ich auf eine Problematik hinweisen, die den Predigtdienst von Torsten Hebel später bestimmen soll. Im Bereich der Freikirchen und freien Werke ist der Beruf des Pastors von der Alimen-tierung her nicht immer gesichert. Zwar gibt es in den großen Bünden und Werken feste Gehälter, aber oftmals ist der Kandidat von einem eigenen Spenderkreis abhängig.

 

 

Jeder Mensch muss Geld verdienen

 

Bei dieser Binsenweisheit möchte ich einen Augenblick stehen bleiben. Jeder Mensch muss Geld verdienen. Normalerweise bedarf das keiner Erwähnung, im Buch von Hebel findet sich diese auch nicht. Und doch würde der Leser manches verstehen, wenn ihm bewusst wäre: Als Freischaffender ist Hebel auf Honorare für seine Predigttätigkeit angewiesen - viel direkter und abhängiger als das bei einer Festeinstellung der Fall ist. Hebel lässt sich des öfteren auf eine solche Lebenslage ein.

 

In seine Bibelschulzeit fällt Hebels erste gescheiterte Ehe, er berichtet darüber offen und selbstkritisch. Die Scheidung verhieß ihm keine rosige Zukunft im konservativen freikirchlichen Milieu. Trotz der privaten Krisen fühlte er sich nun als von Gott geliebt, was für ihn zu einer Art inneren Überzeugung führte. Ein überströmendes Glücksgefühl in einem Keller, in den er sich in einer psychischen Krise zurückgezogen hatte, war der Aus-gangspunkt. Man fühlt sich ebenfalls wieder an Martin Luther erinnert, diesmal an Luthers sogenanntes "Turmerlebnis", als der Reformator zu der Erkenntnis eines gnädigen Gottes gelangte. Der Leser fragt sich:

 

Hat Torsten Hebel den Glauben an einen gnädigen Gott wirklich gefunden?

 

Einige Jahre war Hebel als Jugendreferent in einer Düsseldorfer Kirchen-gemeinde aktiv, er trat dazu in die Evangelische Landeskirche ein. Mit seiner freikirchlichen Vergangenheit kam er zunehmend nicht zurecht. Es folgten kabarettistische Auftritte, unter anderem beim Christival und die Arbeit als Evangelist beim Christus-Treff Marburg von Roland Werner. Damit gab Hebel seine Stelle in der Düsseldorfer Kirchengemeinde auf. Hebel heiratete, ging nach Berlin und war freiberuflich als Evangelist, Kabarettist und Schauspieler tätig. Freiberuflich heißt: Egal was es ist, er muss sich um ein Honorar kümmern.

 

Aber das Geld ist nicht der ausschlaggebende Beweggrund dafür, dass Hebel eine Anfrage von Ulrich Parzany annimmt, als Redner bei der Jugendevangelisation "Jesus House" von Pro Christ e.V. "aufzutreten".

 

Der Dienst erfüllt ihn mit Stolz, weil er innerhalb der Szene ein sehr weit ausstrahlender Predigtdienst war.

 

Die JesusHouse-Anfrage war der Ritterschlag

 

Mit diesen Worten beschreibt Hebel die Bedeutung dieses Auftrags. Es ist der Dienst, der ihm den größten Bekanntheitsgrad einbrachte, aber auch der Dienst, der schließlich zu seinem persönlichen Desaster wurde. Der Leser, der Hebels Predigten nicht aus eigenem Erleben kennt, fragt sich, was Hebel wohl zu dieser Zeit gepredigt hat. Eine Analyse seiner Predigten zeigt, dass Hebel ganz im Stil freikirchlicher Prediger spricht - persönlich, biblisch und spannend. Sein Auftritt ist von seinem schauspielerischen Können geprägt. Wer die Videoaufnahmen sieht, der mag es nicht für möglich halten, dass Hebel zu diesem Zeitpunkt bereits nicht von dem überzeugt ist, was er da tut.

 

Welchen Maßstab hat die Predigt?

 

Immer wieder taucht in Hebels Buch der Satz auf "Theologie ist zu einem großen Teil Biographie". Dies nimmt der Leser ihm in jedem Fall ab, allein schon weil er so emotional erzählt, als wolle er seine Biographie einschließ-lich Lebensbeichte niederschreiben. Aber steht Hebel nicht auch in der Gefahr, den gesamten christlichen Glauben von seiner Biographie her zu deuten?

 

Hebel ist damit in guter Gesellschaft eines frommen Milieus, in dem die eigene Glaubenserfahrung zum Ausgangspunkt des theologischen Denkens genommen wird. Oft erzählen Prediger von ihren persönlichen Erlebnissen und man fragt sich nach einiger Zeit des Zuhörens, ob der christliche Glaube auch noch eine objektive Seite hat. Natürlich ist das eigene Leben immer der Ort, an dem sich alles abspielt. Aber ist das alles? Darf die eigene Erfahrung zum Maßstab für Predigt und Theologie werden?

 

Der Apostel Paulus warnte im zweiten Brief an die Korinther ausdrücklich davor, sich "selbst" zu predigen. 2. Korinther 4, 5:

 

"Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus“

 

Torsten Hebel ist sicherlich nicht der einzige Prediger, der seine Theologie in der eigenen Biographie verankert. Aber seine Theologie ist nicht nur an einigen Stellen, sondern durch und durch biographisch, auch dort wo er die Bibel auslegt. Immer spiegelt sich die eigene Befindlichkeit. Das kann sehr schnell in Glaubenszweifeln enden.

 

Eine Hilfe bei Zweifeln dieser Art besteht grundsätzlich einmal darin, den Glauben nicht in der eigenen Biographie zu verankern. Wir müssen den Zeitgeist entlarven, der uns immer wieder in eine individualistische Eng-führung bringen will. Zum Beispiel ist die Ansicht weit verbreitet, Glaube sei immer persönlicher Glaube. Doch wer Gewissheit im Glauben erlangen möchte, muss die Fähigkeit entwickeln, den Blick von sich selbst weg zu richten, auf die Dinge außerhalb: den historischen Ursprung der Religion, die Tradition des Christentums und die Gemeinschaft der Glaubenden.

 

Es gibt eine Gemeinschaft der Glaubenden und ein Bekenntnis der Kirchen, das die Christen verbindet

 

Es gibt viele Dinge außerhalb meiner selbst, die mich des Glaubens vergewissern können. Dazu gehören die Bibel, die Bekenntnisse, die Gemeinschaft oder auch die Liturgie des Gottesdienstes. Glaube ist nicht nur persönlicher Glaube, sondern ein Einstimmen in einen gemeinsamen Glauben - den ich Gott sei Dank nicht erst erfinden muss. Hebel zerbricht an seinen persönlichen Zweifeln. Es wäre ihm zu wünschen, dass er im gemeinsamen Glauben der universalen Christenheit Halt findet. Aber das ist gegen den individualistischen - um nicht zu sagen "egoistischen" Trend. Es bedeutet, das eigene Denken, die eigenen Überzeugungen wie auch die eigenen Zweifel in den gemeinsamen Glauben der Christen einzubetten.

 

Hebel verliert den Glauben (fast) ganz

 

Es sind viele Dinge, die Hebel in dieser Zeit nicht mehr glauben kann. In den späteren Dialogen ist so mancher Leser darüber erschrocken, was Hebel alles nicht mehr glaubt. Im ersten biographischen Teil des Buches kommt dies noch nicht so ganz heraus. Hier stellt Hebel erst einmal einen besonderen Kritikpunkt heraus, an dem seine innere Wandlung seinen Kristallisationspunkt fand: Es ist der "Aufruf" in einer Evangelisation wie Jesus-House.

 

Darunter wird verstanden, dass diejenigen Zuhörer, die sich besonders angesprochen fühlen und einen ersten Schritt im Glauben gehen möchten,

 

im Versammlungsraum nach vorn (zum Altar, Kreuz oder Redner) kommen können. Diese Praxis ist sonst bei kirchlichen Veranstaltungen nicht üblich. Sie ist bei Evangelisationen vorgesehen, wo es darum geht, dass Men-schen, die erstmalig vom christlichen Glauben angesprochen sind, ein öffentliches Bekenntnis zu Jesus Christus ablegen können. Meist wird nach der Versammlung im Altarbereich noch ein Gebet gesprochen, mit dem die Entscheidung für den Glauben an Jesus Christus festgemacht wird, ver-bunden mit einem Gebet um die Vergebung der Schuld, was als Kern der persönlichen Umkehr angesehen wird.

 

Glaubwüdig bleiben !

 

Unabhängig davon ob man diese Praxis gut findet oder nicht, fragt sich der Leser, warum Hebel das getan hat, obwohl er sich zunehmend unwohl dabei fühlte. Weil er dafür bezahlt wurde? Gab es für ihn als Freiberufler einen "Vertrag", der ihn verpflichtete? Hebel gibt zu, dass er aus der Situation einfach nicht raus konnte. Das war in erster Linie sein persönliches Problem. Doch spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte Hebel aus der Verkündigung aussteigen müssen. Es ist nicht gesund - weder seelisch noch geistlich - etwas gegen seine Überzeugung zu tun.

 

Hebel ist schließlich ausgestiegen - aber warum so spät? Kann es sein, dass ihm seine Begabung als "Schauspieler" zum Verhängnis wurde? Zu den Fähigkeiten eines Schauspielers gehört die Redebegabung, die Bühnen-präsenz und vieles mehr. Eigentlich ist ein Schauspieler die perfekte Besetzung für einen Evangelisten-Darsteller. Doch seine Stärke ist seine Schwäche: Er spielt. (Oder sagen wir: Er "kann" spielen!)

 

In Glaubensdingen kann nicht gespielt werden

 

In der Regel sind die beiden Berufe sehr unterschiedlich: Prediger und Schauspieler. Es ist bestimmt äußerst kreativ, wenn beide Berufe zusam-menfallen, aber auch äußerst gefährlich, weil sie so nahe beieinander liegen, was die praktischen Fähigkeiten anbelangt. Kritiker würden Hebel vorwerfen, es wäre überzeugender gewesen, er wäre früher ausgestiegen.

 

Aber diese Kritik würde Hebel wahrscheinlich nicht gerecht. Man muss ihm zugute halten: Er kritisiert auch sich selbst für seine Haltung, seinen fehlenden Mut und seine Heuchelei. Die Frage, die sich nun stellt, ist allerdings:

 

Wie überzeugend ist Hebel heute?

 

Natürlich wird kein Leser Hebel das Recht absprechen, sich zu verändern, die Dinge von damals kritisch zu sehen und sich heute sozial-diakonisch für sein selbst gegründetes Spendenwerk blu:boks in Berlin zu engagieren. Der Leser wird es dem Autor auch verzeihen, dass er versucht, an jeder mög-lichen und unmöglichen Stelle seines Buches für seine neue berufliche Arbeit zu werben.

 

Aber eine Frage steht noch im Raum: Wie überzeugend ist Hebel in seinem Verhalten, seine Glaubenszweifel in einem Buch der Öffentlichkeit zu prä-sentieren? Natürlich hat er das Recht dazu, aber die Frage ist: Ist es für diejenigen gut, die durch die Verkündigung von Hebel zum Glauben gekommen sind?

 

Bekanntlich hat Sokrates gesagt, man soll alles durch 3 Siebe schütten, bevor man es sagt: Ist es wahr? Ist es gut? Ist es notwendig? Die weise Regel lautet: "Wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit."

 

Torsten Hebel spricht von manipulativem Verhalten bei Evangelisationen und verletzt damit auch andere Mitarbeitende, die es sehr ernst gemeint haben. Und er verunsichert auch die Menschen, die dem Aufruf ernsthaft und mit ganzer Überzeugung gefolgt sind. Auch wenn er sagt, er wolle dies auf keinen Fall und er wolle auch niemandem, der zum Glauben gekommen ist, sein subjektives Erleben absprechen.

 

Vielleicht zeigt sich an dieser Stelle wieder die Schwäche einer subjekti-vistischen Theologie, die von der eigenen Person ausgeht, aber nicht von der Gemeinschaft. Würde er über seine eigene Person hinaus denken, dann hätte er auch auf die Veröffentlichung des Buches verzichten können. Vielleicht nur aus einem Grund: der Verantwortung den jungen Menschen gegenüber, die er damals zum Glauben geführt hat - und um sie nicht in den Strudel der eigenen Zweifel zu reißen.

 

Zweifel sind erlaubt, mehr noch: Sie müssen zugelassen sein, denn sie stellen sich von selbst ein. Zweifel sind der normale Begleiter des Glaubens. Man kann sie nicht verbieten. Aber wo sollte man sie äußern?

 

Zweifel sind ein Teil der Seelsorge

 

Sie gehören nicht auf die mediale Plattform - und sie sollten nicht ver-marktet werden. Und schließlich: Es gibt für das Bekenntnis zum christ-lichen Glauben doch objektivere Kriterien als die persönlichen Über-zeugungen des Verkündigers.

 

Hat Hebel mit seiner Kritik unrecht? Nicht unbedingt. Man muss die Praxis des "Nach-vorne-Kommens" nicht gut finden. Aber man sollte respektieren, wenn junge Menschen in dieser Praxis ihrer Glaubensüberzeugung einen Ausdruck gegeben haben. Viel gravierender als die Formen sind die Inhalte des Glaubens. Hier offenbart Hebel einen wirklich substantiellen Verlust, auf den im zweiten Teil der Rezension eingegangen werden soll.